Für alle, die die IT-Sicherheit voranbringen wollen – ohne ihre Mitarbeitenden zu Tode zu langweilen
Awareness-Training in der IT-Sicherheit wird oft missverstanden – es geht nicht darum, ein Video zu verschicken und zu hoffen, dass es sich jemand ansieht. Es geht um Menschen, Timing und Kontext.
Cyberbedrohungen werden immer kreativer. Menschen sind abgelenkt. Und Unternehmen … tja, viele glauben noch immer, Awareness-Training in der IT-Sicherheit bedeute, ein Video zu verschicken und zu hoffen, dass es sich jemand ansieht.
Awareness-Training in der IT-Sicherheit muss weder schwerfällig noch langweilig sein – es geht darum, Mitarbeitende mitzunehmen, nicht darum, ihnen Angst zu machen.
Denn die Realität sieht so aus:
82 % aller Sicherheitsvorfälle gehen auf menschliche Fehler zurück.
Trotzdem testet nur ein Bruchteil der Unternehmen das Wissen seiner Mitarbeitenden regelmäßig. Das ist ungefähr so, als würde man jemandem einen Feuerlöscher in die Hand drücken, ohne je zu zeigen, wie er funktioniert.
Hier sind 9 Tipps, mit denen Awareness wirklich Sinn ergibt – für Sie und für Ihre Kolleginnen und Kollegen.
Die 9 Tipps im Überblick
- Schulen Sie alle – nicht nur die IT-Abteilung.
- Vermitteln Sie, was für die jeweilige Rolle relevant ist.
- Verankern Sie Ihre eigenen Richtlinien im Training.
- Schulen Sie in einer Sprache, die alle verstehen – und dann, wenn es passt.
- Dokumentieren Sie – sonst zählt es nicht.
- Schluss mit Excel-Listen – automatisieren Sie alles.
- Testen Sie das Wissen der Mitarbeitenden – auch schon vor dem Start.
- Phishing ist nicht alles – aber es ist wichtig.
- Micro-Learning + Nudging = besseres Lernen.
Awareness-Training in der IT-Sicherheit muss aber weder langweilig sein noch nur auf einer Liste stehen. Tatsächlich ist es einer der wirksamsten Wege, das Risiko von Datenschutzverletzungen zu senken. Sehen wir uns die 9 Punkte genauer an.
1. Schulen Sie alle – nicht nur die IT-Abteilung
Es reicht nicht, nur Technik-Teams und IT-Verantwortliche zu schulen. Die meisten Phishing-Angriffe treffen ganz normale Menschen in HR, Buchhaltung, Vertrieb und Co.
Und auch wenn NIS2, die DSGVO oder branchenspezifische Standards und Gütesiegel nicht jede Branche direkt betreffen – die Anforderungen an Dokumentation und Verantwortung tun es.
Bei Awareness geht es nicht nur um Compliance – sondern um Verantwortung und Sicherheit. Auch im digitalen Privatleben der Mitarbeitenden.
Empfehlungen:
- Machen Sie klar, warum alle geschult werden – und was sie davon haben
- Betonen Sie, dass das Training auch im Privatleben hilft
- Kommunizieren Sie es als gemeinsame Aufgabe – nicht als Kontrollmaßnahme
2. Vermitteln Sie, was für die jeweilige Rolle relevant ist
Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten am Empfang und bekommen einen Kurs über Sicherheitsprotokolle im Serverraum. Das ist Zeitverschwendung – und erzeugt Widerstand.
Besser: Richten Sie das Training gezielt aus. Wer in der Finanzabteilung arbeitet, muss CEO-Betrug erkennen können. Wer im Marketing arbeitet, muss wissen, was geteilt werden darf – und was nicht.
Empfehlungen:
- Denken Sie in „Rollen“ – und lassen Sie diese das Training bestimmen
- Teilen Sie Mitarbeitende in Gruppen mit unterschiedlichen Zielen ein
- Nutzen Sie Beispiele aus dem jeweiligen Arbeitsalltag
3. Verankern Sie Ihre eigenen Richtlinien im Training
Die meisten Unternehmen haben schöne PDFs mit Richtlinien – die niemand liest. Oder findet. Oder versteht.
Statt sie im Intranet zu verstecken, sollten Sie sie ins Training integrieren. Wenn sich etwas konkret und nah anfühlt, steigt die Chance, dass es tatsächlich hängen bleibt.
Empfehlungen:
- Verlinken Sie im Kurs direkt auf Ihre eigenen Richtlinien
- Nutzen Sie Fälle aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag
- Sorgen Sie dafür, dass das Material auch hinterher leicht zu finden ist
4. Schulen Sie in einer Sprache, die alle verstehen – und dann, wenn es passt
Nicht alle Mitarbeitenden lesen perfekt Deutsch. Und nicht alle haben um 14:12 Uhr die Ruhe für einen Kurs, während das Support-Telefon klingelt.
Deshalb muss sich das Training dann absolvieren lassen, wenn es passt – und in der Sprache, die Sinn ergibt.
Empfehlungen:
- Nutzen Sie eine Plattform mit Sprachauswahl und Untertiteln
- Sorgen Sie für Mobilfreundlichkeit und flexiblen Zugang
- Ermöglichen Sie es, zu pausieren und später weiterzumachen
5. Dokumentieren Sie – sonst zählt es nicht
Haben alle das Training abgeschlossen? Haben sie es verstanden? Haben Sie einen Nachweis, falls jemand fragt?
Ohne Daten und Dokumentation wird Awareness schnell zu „etwas, das wir mal gemacht haben“.
Empfehlungen:
- Stellen Sie sicher, dass Sie den Abschlussstatus jeder einzelnen Person sehen können
- Nutzen Sie Statistiken, um Schwachstellen zu erkennen
- Vergeben Sie Zertifikate oder Badges – das motiviert mehr, als man denkt
6. Schluss mit Excel-Listen – automatisieren Sie alles
Es wird schnell mühsam, manuell nachzuhalten, wer welche Kurse absolvieren muss – vor allem in größeren Organisationen mit vielen Beschäftigten und Funktionen.
Doch das lässt sich automatisieren. Wenn Ihre Trainingsplattform mit den Systemen Ihres Unternehmens verbunden ist (z. B. mit Ihrer Benutzerverwaltung), bekommen neue Mitarbeitende automatisch den richtigen Kurs zugewiesen – ohne dass jemand einen Finger rühren muss.
Empfehlungen:
- Nutzen Sie Systemintegrationen (z. B. mit dem HR-System oder der Benutzerverwaltung)
- Weisen Sie Trainings automatisch nach Rolle oder Abteilung zu
- Sorgen Sie dafür, dass neue Mitarbeitende vom ersten Tag an automatisch ins Training eingebunden werden
7. Testen Sie das Wissen der Mitarbeitenden – auch schon vor dem Start
Es ergibt keinen Sinn, „Fortschritte“ zu messen, wenn Sie nicht wissen, wo die Leute angefangen haben.
Testen Sie vorher und nachher. Nicht, um mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, sondern um herauszufinden, wo der Schuh drückt – und was funktioniert.
Empfehlungen:
- Führen Sie einfache Vorher-nachher-Tests durch
- Nutzen Sie realistische Szenarien – keine Fangfragen
- Machen Sie es zu einem Teil des Lernens, nicht zu einer Prüfung
8. Phishing ist nicht alles – aber es ist wichtig
Phishing ist nach wie vor die häufigste Methode, um sich Zugang zu Systemen zu verschaffen. Laut dem Trendbericht laufen fast 9 von 10 erfolgreichen Angriffen über Social Engineering.
Doch dabei bleibt es nicht. Schwache Passwörter, gefälschte Rechnungen und Täuschung am Telefon gehören ebenfalls zum Alltag.
Empfehlungen:
- Führen Sie breiter angelegte Tests durch, die mehrere Angriffsarten abdecken
- Nutzen Sie Feedback, um das Training zu verbessern
- Zeigen Sie Beispiele echter Angriffe – das rückt die Dinge ins richtige Licht
9. Micro-Learning + Nudging = besseres Lernen
Laut der Vergessenskurve von Ebbinghaus vergessen wir bis zu 70 % neuen Wissens innerhalb des ersten Tages, wenn wir nicht regelmäßig daran erinnert werden.
Deshalb funktioniert Micro-Learning: kurze Lerneinheiten, über die Zeit verteilt. Kombiniert mit Benachrichtigungen, Zertifikaten, Punkten und kleinen Nudges bleibt die Botschaft hängen.
Digitale Awareness wird so nicht bloß zur Checkliste, sondern zu einem gemeinsamen Projekt, das Verantwortung und Engagement schafft.
Es darf sich nicht wie Unterricht anfühlen, den die Geschäftsführung den Mitarbeitenden aufzwingt – sondern wie echte Weiterentwicklung. Und das zahlt sich aus: in der Unternehmenskultur ebenso wie unterm Strich.
Empfehlungen:
- Teilen Sie den Kurs in Module auf – und verteilen Sie sie über das Jahr
- Nutzen Sie automatische Erinnerungen und Benachrichtigungen
- Belohnen Sie Engagement mit Zertifikat, Badge oder Punktestand
Machen Sie den Gesamtfortschritt sichtbar – damit es sich wie ein gemeinsames Projekt anfühlt.
Wenn Awareness-Training in der IT-Sicherheit auf die einzelne Rolle und das Risikoprofil des Unternehmens zugeschnitten ist, beginnt es in der Praxis zu wirken.
Vielen Dank fürs Lesen
Wir wissen: Awareness-Training ist nicht gerade das heißeste Thema der Welt. Aber es ist ziemlich wichtig. Nicht nur, weil es im Gesetz steht – sondern weil 82 % aller Sicherheitsvorfälle mit etwas so Simplem wie einem menschlichen Fehler beginnen.
Und es gibt zu denken, dass so wenige Unternehmen das Wissen ihrer Mitarbeitenden wirklich testen – obwohl die Angriffe immer persönlicher und schwerer zu durchschauen werden. KI und Cyberkriminelle machen es selbst den besten Menschenkennern schwer zu erkennen, ob Hans aus der IT wirklich Hans aus der IT IST – oder jemand ganz anderes mit weniger guten Absichten.
Deshalb geht es bei Awareness nicht darum, etwas in einer Excel-Liste abzuhaken. Es geht darum, Menschen zu befähigen, sicher zu handeln – bei der Arbeit genauso wie im Privatleben.
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